Kurz-Konzept Kindergarten
Kinder sind – ebenso wie Dichter, Musiker und Naturwissenschaftler, eifrige Forscher und Gestalter. Sie besitzen die Kunst des Forschers und sind sehr empfänglich für den Genuss, den das Erstaunen bereitet. Unsere Aufgabe besteht darin, die Kinder bei dieser Auseinandersetzung mit der Welt zu unterstützen, wobei all ihre Fähigkeiten, Ausdrucksweisen und Kräfte eingesetzt werden. Loris Malaguzzi
Unser Bild vom Kind
Kinder gestalten ihre Bildung und Entwicklung von Geburt an aktiv mit und setzen sich mit ihrer Umwelt auseinander. Im Bildungsgeschehen nehmen Kinder eine aktive Gestalterrolle bei den Lernprozessen ein, sie sind Konstrukteure mit hoher Motivation und Begeisterung.
In jedem Kind steckt:
Ein aktiver Mitgestalter, ein kreativer Erfinder, ein eifriger Forscher und Entdecker mit vielen Fragen, ein Wissenschaftler, ein Experte, ein Mathematiker, ein Künstler, ein Physiker, ein Philosoph, ein Historiker, ein Welterforscher, Begeisterung, Leichtigkeit, Ideenreichtum, Neugierde, Individualität, Temperament, Anlagen, Vorwissen, Stärken und Schwächen, Persönlichkeit, Kompetenzniveau, ein eigenes Lern- und Entwicklungstempo,…
So wollen wir auf jedes Kind in seiner unverwechselbaren Einzigartigkeit individuell eingehen. Die Einrichtung als Partner auf Zeit, sowie die Familie als erster, wichtigster und einflussreichster Bildungsort übernehmen gleichermaßen die Verantwortung für das Wohl des Kindes und die gute Begleitung des kindlichen Entwicklungs- und Bildungsprozesses.
Die 100 Sprachen des Kindes
Ein Kind ist aus hundert gemacht. Ein Kind hat hundert Sprachen, hundert Hände, hundert Gedanken,
hundert Weisen zu denken, zu spielen, zu sprechen.
Hundert, immer hundert Weisen zu hören, zu staunen, zu lieben,
hundert Freuden zu singen und zu verstehen.
Hundert Welten zu entdecken, hundert Welten zu erfinden, hundert Welten zu träumen.
Ein Kind hat hundert Sprachen,
(und noch hundert, hundert, hundert), aber neunundneunzig werden ihm geraubt.
Die Schule und die Kultur trennen ihm den Geist vom Körper.
Sie sagen ihm,
ohne Hände zu denken,
ohne Kopf zu handeln,
nur zu hören ohne zu sprechen,
ohne Freuden zu verstehen,
nur Ostern und Weihnachten zu staunen und zu lieben.
Sie sagen ihm, es soll
die schon bestehende Welt entdecken.
Und von hundert werden ihm neunundneunzig geraubt.
Sie sagen ihm,
dass Spiel und Arbeit,
Wirklichkeit und Fantasie,
Wissenschaft und Vorstellungskraft, Himmel und Erde,
Vernunft und Träume
Dinge sind, die nicht zusammen passen.
Ihm wird also gesagt, dass es Hundert nicht gibt.
Das Kind aber sagt: „Und es gibt Hundert doch.“ Loris Malaguzzi
Die wichtigsten Begriffe in der pädagogischen Praxis sind nicht mehr „Sprechen“, „Erklären“ und „Vermitteln“, sondern
„Zuhören“, „Beobachten“ und „Dokumentieren“! nach Carla Rinaldi/Gunilla Dahlberg 2005
Unser pädagogisches Handeln
Kinder sind von Geburt an neugierige und aktive Menschen, die sich durch Eigenaktivitäten – forschen und entdecken – die Um- und Mitwelt erschließen. Wir unterstützen sie dabei, indem wir ihnen einen Lebensraum bieten, in dem sich jedes Kind in seinem eigenen Rhythmus entwickeln kann. Wir begleiten die Kinder individuell nach ihren Bedürfnissen und ihrem Bedarf. Dabei geben wir den Kindern Halt und Orientierung, Wertschätzung und Vertrauen. Das wichtigste Ziel in unserer Einrichtung ist, dass sich die Kinder wohlfühlen.
Unser pädagogischer Ansatz
Der pädagogische Ansatz ist die Grundlage, auf der die Arbeit in einer Kita basiert.
Wir arbeiten in unserer Einrichtung Beziehungs- und Ressourcenorientiert, inspiriert durch Elemente der „Reggio-Pädagogik“. Der Ursprung dieser „Bildungsphilosophie“ hat den Ursprung in Reggio Emilia, Italien. In der Reggio-Pädagogik wird der Pädagoge als (Weg-)Begleiter, Forscher und Zeuge gesehen, dies ist ein markanter Unterschied zur traditionellen Vorstellung eines „anleitenden“ Pädagogen.
Nicht im Kopf, sondern im Herzen liegt der Anfang. Maxim Gorki
Bedürfnis- und Ressourcenorientiert
Bei der Bedürfnis- und Ressourcenorientieren Pädagogik geht es in erster Linie um die Haltung des Erwachsenen.
Das heißt für uns:
- Ganzheitliches Verständnis von kindlichen Entwicklungsprozessen,
- Bewusstsein über die eigenen Bedürfnisse und die Fähigkeit, diese wenn nötig, zurückzustellen
- Unterscheidung zwischen Erwachsensein und Kindsein: Dem Kind angemessen Verantwortung zutrauen, Eigeninitiative ermöglichen statt zu viel abnehmen
- den Bedürfnissen einen zentralen Stellenwert im Gesamtgeschehen einräumen; einen verantwortungsvollen, situationsangemessenen, freudvollen, respektvollen und lebendigen Umgang mit Bedürfnissen vorleben
- Fachlich fundierte Beobachtung dieser Bedürfnisse im pädagogischen Alltag und eine Kind bezogene Dokumentation, bei der die Erfassung von Bedürfnissen deutlich Vorrang vor der Erfassung von Kompetenzen hat
In unserer täglichen Arbeit richten wir uns nach dem Bayerischen Bildungs-und Erziehungsplan.
Die wichtigsten Begriffe in der pädagogischen Praxis sind nicht mehr „Sprechen“, „Erklären“ und „Vermitteln“, sondern
„Zuhören“, „Beobachten“ und „Dokumentieren“! nach Carla Rinaldi/Gunilla Dahlberg 2005
Unsere Reggio-inspirierte Haltung
- Der aktive, forschende und Rückmeldung gebende Beobachter, Begleiter und Dialogpartner unterstützt die Kinder in ihrem Alltagshandeln in der Einrichtung
- Verstärkender und bereichernder Impulsgeber mit authentischem Interesse an den Themen der Kinder
- Wahrnehmender Projektbegleiter, der in Reflexion und Kommunikation offen und interessiert agiert
- Der Pädagoge wird selbst zum Forscher, in dem er sich auf den Rhythmus des kindlichen Forschergeistes einlässt
- Loris Malaguzzi sprach von "einem dritten Auge bzw. einem dritten Ohr" das die Erwachsenen besitzen sollten, um Gesten, Mimik und Worte der Kinder feinfühlig wahrzunehmen und zu verstehen
- Brückenbauer in die Umgebung und Netzwerker in die Gemeinde
Erst wenn wir das Kind in seiner Ganzheit und seiner Persönlichkeit sehen, können wir es adäquat begleiten und unterstützen. Durch wiederkehrende Rituale, Grenzen und Regeln, erlebt das Kind die notwendige Orientierung, um sich zu entwickeln. Somit lernt es, sich in seinem späteren Leben mit seinen unzähligen und vielfältigen Handlungsaktivitäten besser zurechtzufinden. Die individuelle Entscheidungsfähigkeit des Kindes wird gefördert, indem es lernt, wahrzunehmen was es möchte und Bedürfnisse umzusetzen – im Sinne von: was möchte ich tun und wie kann ich es erreichen.
Im Kindergarten arbeiten wir zusätzlich gruppenübergreifend, teils im offenen Konzept. Dies bedeutet:
- Ankommen in der eigenen Gruppe mit festen Ritualen und Bezugspersonen (Stammgruppe)
- Möglichkeit zur individuellen Gestaltung der eigenen Interessen und Bedürfnisse durch Öffnung der vielfältigen Arbeits- und Spielbereiche
- Die Begleitung jeweils eines Pädagogen in allen geöffneten Bereichen, ermöglicht den Kindern ein breites Spektrum an Ressourcen, von denen die Kinder profitieren können
- Öffnung und Besuchsmöglichkeiten aller Gruppen im Haus
- Entstehende Interessen können aufgegriffen und – durch die kollegiale Zusammenarbeit – gruppenübergreifend und/oder in Kleingruppen umgesetzt werden
- Es besteht jederzeit die Möglichkeit, die Stammgruppe wieder aufzusuchen bzw. dort zu verweilen.
Nicht im Kopf, sondern im Herzen liegt der Anfang. Maxim Gorki
Projektarbeit
Projekte sind eine Aktivität des Lernens in unserer Kita. Dabei können Begeisterung und Leidenschaft, aber auch Versunkenheit und Konzentration eine große Rolle spielen. Aus Fragen, Spielhandlungen, Beobachtungen, Ereignissen und Gesprächen kann ein mögliches Projektthema entstehen. Die Dauer eines Projektes kann von wenigen Stunden bis zu mehreren Monaten variieren. Individuelle oder gemeinsame Aktivitäten können sich von Situation zu Situation abwechseln. Auch die Anzahl der Teilnehmenden hängt von der Interessensbindung des Einzelnen ab, Kinder haben die Möglichkeit auszusteigen, andere können dafür einsteigen.
Auch bei einem Projekt ist oft der Weg das Ziel, das bedeutet, dass die Aktionen oder Beschäftigungen eine Flexibilität der Pädagogen im Prozess erfordern. So kann das Thema durch unterschiedliche Impulse von den Kindern, als auch den Pädagogen erarbeitet werden und neue Handlungsspielräume können entstehen. Im Austausch werden Ergebnisse festgehalten, aufkommende Fragen erforscht, Außenstehende mit einbezogen. In einer anschaulichen Dokumentation mit den Kindern wird die Aktualität des Projektes präsentiert, die sich im Verlauf des Projektes erweitern bzw. verändern kann. Der Inhalt der Projekte ist Teil der Entwicklungsdokumentation (Portfolio) und dient auch der Ableitung pädagogischer Zielsetzungen.